Digitalisierung des kulturellen und wissenschaftlichen Erbes in Niederösterreich 2005(Statusreport März 2005)
• Museen
• Bibliotheken
• Archive
• Weitere Einrichtungen und Initiativen
1) Museen
1.1) Niederösterreichisches Landesmuseum
Derzeit werden alle Bestände des Niederösterreichischen Landesmuseums in einer Datenbank inventarisiert. Über die Museums-Datenbank eMuseum wird den Besuchern und Besucherinnen die Möglichkeit geboten, sich via Internet über die ausgestellten Exponate im Niederösterreichischen Landesmuseum in St. Pölten und die weiteren Sammlungsbestände in anderen Ausstellungshäusern, Studiensammlungen und Depots des Niederösterreichischen Landesmuseums zu informieren.
Da sich die Datenbank noch im Aufbau befindet, umfasst die Datenbank derzeit nur eine Auswahl der Sammlungsbestände. Das Angebot wird jedoch ständig erweitert und ausgebaut.
Niederösterreichisches Landesmuseum
„Die Aufgaben des Niederösterreichischen Landesmuseums sind Bewahrung, Ausbau, wissenschaftliche Erschließung, Präsentation und Verwaltung der Sammlungen vor dem Hintergrund gesellschaftlicher, kulturgeschichtlicher, kunst- und naturhistorischer Bedeutung für das Bundesland Niederösterreich und seines Umlandes.“
Das Niederösterreichische Landesmuseum besitzt umfangreiche Sammlungen aus den Bereichen Bildende Kunst (Mittelalter bis Gegenwart), Naturkunde (Geologie und Mineralogie, Paläontologie, Botanik, Zoologie), Volkskunde, Archäologie (Ur- und Frühgeschichte, Antike) und allgemeine Landeskunde.
1.2) Weitere Digitalisierungsaktivitäten niederösterreichischer Museen
Die Beratung und Förderung der nichtstaatlichen Museen (zumeist auf Gemeinde- und Vereinsbasis) in Niederösterreich wird von der Volkskultur Niederösterreich durchgeführt. Darunter fallen auch Agenden der Digitalisierung. Die Hauptaktivitäten in diesem Bereich umfassen die Inventarisierung von Museumsbeständen in Datenbanken.
Für die Datenbankverwaltung wird von den Museen das von Joanneum Research entwickelte Programm IMDAS-Pro verwendet. IMDAS-Pro kann für die elektronische Dokumentation sämtlicher Museumsobjekte herangezogen werden. Nicht nur für die wissenschaftlichen BearbeiterInnen im Museum, sondern auch für Museumsbesucher und -besucherinnen wird der Zugang zu den Sammlungen und das Auffinden von Objekten vereinfacht.
Volkskultur Niederösterreich
Die Volkskultur Niederösterreich wurde 1998 gegründet und bildet ein Netzwerk aus Institutionen und Personen, die im Kulturbereich tätig sind. Die Volkskultur Niederösterreich übernimmt für das Land Niederösterreich die Museums- und Volkskulturförderung. Zu den Aufgaben zählt weiters die Beratung und Unterstützung in allen volkskulturellen Belangen sowie die Organisation von Veranstaltungen und Schulungen.
Das Niederösterreichische (NÖ) Volksliedwerk ist bei der Volkskultur Niederösterreich beheimatet. Das Volksliedwerk dient der Sammlung, Forschung, Dokumentation und Pflege von Volkslied, Volksmusik, Volkstanz, Märchen, Sage, Volkspoesie und Volksschauspiel. Das aufgezeichnete Material ist Bestandteil des NÖ Volksliedarchivs.
Digitalisierungsaktivitäten laufen auch am Waldbauernmuseum Gutenstein. Im Waldbauernmuseum Gutenstein werden die Museumsbestände in einer Datenbank erfasst. Zusätzlich werden Handwerksfilme digitalisiert und mit der Datenbank verknüpft. Über Video-Großprojektion zu den Themen Köhlerei, Kalkbrennerei und Schindelherstellung werden diese der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Waldbauernmuseum Gutenstein
Das Waldbauernmuseum Gutenstein verfügt über 8 Räume sowie einen Freilichtteil mit insgesamt über 2.000 Exponaten: Dies sind Geräte und Einrichtungsgegenstände, die mit dem Leben und den Erzeugnissen von Waldbauern und dem bäuerlichen holzverarbeitenden Nebengewerbe in Zusammenhang stehen.
Die bis 1970 als "Holzmuseum" bezeichnete, ab etwa 1945 aufgebaute Sammlung ging aus der privaten Studiensammlung von Dipl.Ing. Wilhelm Ast hervor. 1989 erhielt das Waldbauernmuseum den Österreichischen Museumspreis.
2) Bibliotheken
2.1 Niederösterreichische Landesbibliothek
Die Niederösterreichische Landesbibliothek ist in eine Reihe von Digitalisierungsaktivitäten involviert. Eine der umfassendsten Digitalisierungsaktivitäten läuft unter dem Titel DITHAKA (Digitalisierung topographisch-historischer Ansichten und Karten).
DITHAKA umfasst die digitale Fotoreproduktion der Topographischen Sammlung sowie der Landkartensammlung. Die gescannten Grafiken werden kontinuierlich in den im Aufbau begriffenen Onlinekatalog integriert. In einem ersten Schritt sollen die wertvollen Objekte der Topographischen Sammlung digitalisiert (gescannt) werden. Diese umfasst insgesamt ca. 100.000 Objekte, wobei ca. 10.000 bereits gescannt sind. Gescannt werden zunächst Orts-, Landschafts- und Bauwerksansichten (zw. 20.000 und 30.000 Objekte). Postkarten werden zu diesem Zeitpunkt noch nicht digitalisiert.
In einem weiteren Schritt soll die Landkartensammlung digitalisiert werden. Zu diesem Zeitpunkt ist nur eine Landkarte digitalisiert, die auch am Web einsehbar ist - die Niederösterreichkarte von Georg M. Vischer (1697).
Für den Scann-Vorgang wird ein Flachbettscanner (in den Formaten A4 und A3) verwendet. Die digitalisierten Objekte werden mit 300 dpi im Tiff-Format gespeichert. Für die Darstellung im Web wird eine Qualität von 72 dpi im JPEG-Format verwendet. Die hochqualitativen Bilder im Tiff-Format werden nur gegen Bezahlung zugänglich sein.
Hintergrund des Projektes ist einerseits der Wunsch, die Objekte langfristig zu erhalten und zu schützen, gleichzeitig aber auch, sie der Öffentlichkeit über Internet zugänglich zu machen.
Weiters arbeitet die Niederösterreichische Landesbibliothek gemeinsam mit anderen österreichischen Bibliotheken am Aufbau des Zeitschriftendigitalisierungsprojektes ANNO.
Schließlich hat die Niederösterreichische Landesbibliothek jene Teile der Essmann-Sammlung erworben, die für Niederösterreich relevant sind. Dies sind insgesamt 30.000 Bilder (Postkarten und Aufnahmen) aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Diese werden nun zur Publikation weiterverarbeitet.
Niederösterreichische Landesbibliothek
Die Niederösterreichische Landesbibliothek ist die „Universalbibliothek“ des Landes Niederösterreich. Die Landesbibliothek versteht sich als Gedächtnis des Landes und strebt die dauerhafte Erhaltung niederösterreichischen Geistesgutes an. Sie versteht sich als öffentlich zugängliche Serviceeinrichtung für die Landesbürger und -bürgerinnen und fungiert auch als Amtsbibliothek der niederösterreichischen Landesverwaltung.
Zu den Aufgaben der Landesbibliothek zählt u.a. die Erhaltung und Verfügbarmachung des kulturellen Erbes durch sachgerechte Aufbewahrung, Restaurierung und Digitalisierung.
Die Bestände der Niederösterreichischen Landesbibliothek umfassen die Druckschriftensammlung nebst Zeitschriftenabteilung, die Kartensammlung sowie die Topographische Sammlung.
3) Archive
3.1) Niederösterreichisches Landesarchiv/Niederösterreichisches Institut für Landeskunde
Eine der wichtigsten Aktivitäten ist die EDV-mäßige Erfassung und Zugänglichmachung der Sammlungen der Niederösterreichischen Landesbibliothek. In diesem Sinne arbeitet das NÖ Institut für Landeskunde derzeit an einer Bibliographie und Dokumentation des wissenschaftlichen Schrifttums zur Landeskunde von Niederösterreich, wobei alle Veröffentlichungen seit der Erfindung des Buchdruckes berücksichtigt werden. Die bereits erfassten Bestände der Bibliographie sind über BIS-C 2000 Webopac (Online Public Access Catalogue) abrufbar. Die NÖ Bibliographie ist auch über die Suchmaschine Wissenschaft und Forschung in Niederösterreich zugänglich.
Weiters werden die Bestände „Reichsstatthalter Niederdonau bzw. Gauhauptmannschaft Niederdonau“ EDV-mäßig erfasst und das NÖ Institut für Landeskunde beteiligt sich an der Mikroverfilmung der österreichischen Besatzungsakten 1945-1955 (in Zusammenarbeit mit den anderen österreichischen Bundesländern).
Niederösterreichisches Landesarchiv
Das NÖ Landesarchiv verwahrt das von der Landesvertretung und den in Niederösterreich tätig gewesenen und gegenwärtig tätigen Verwaltungsstellen und Gerichten produzierte Schriftgut. Die Bestände umfassen Urkunden, Handschriften und Akten vom Mittelalter bis zur Gegenwart.
Das Landesarchiv gliedert sich in zwei Abteilungen, in das Regierungsarchiv und in das Ständische Archiv. Das Regierungsarchiv, errichtet 1893, verwahrt das Schriftgut der landesfürstlichen Verwaltung und des Amtes der NÖ Landesregierung sowie den schriftlichen Niederschlag der Tätigkeit staatlicher Mittelbehörden und Gerichte im Bundesland Niederösterreich. Das Ständische Archiv verwahrt das Schriftgut der autonomen Landesverwaltung.
Das 1978 gegründete NÖ Institut für Landeskunde hat die Aufgabe, die historische und aktuelle Entwicklung des Bundeslandes auf den Gebieten des Rechtes, der Wirtschaft, der sozialen Verhältnisse und der Kultur zu erforschen und Kenntnisse hierüber entsprechend zu vermitteln.
4) Weitere Einrichtungen und Initiativen
4.1 Zentrum für Bildwissenschaften (ZBW) der Donau-Universität Krems
Das Zentrum für Bildwissenschaften (ZBW) der Donau-Universität Krems bietet Beratung und Schulung im Bereich digitales Sammlungsmanagement und Digitalisierung für kulturelle Institutionen wie Museen, Sammlungen und Archive sowie Unternehmen mit Unternehmensarchiven, die ihre Bestände digital verwalten wollen, an. In Forschung und Lehre befasst sich das ZBW mit der Herstellung, Beschreibung, Analyse, Anwendung und Rezeption von Bildern.
Seit 2003 verfügt das Zentrum über ein eigenes Digitalisierungscenter. Herzstück der Ausstattung ist eine vollelektronische, digitale Reprostation.
Die Bestände des Göttweiger Graphischen Kabinetts wurden im Sommer 2002 dem Zentrum für Bildwissenschaften zur Bearbeitung, Erschließung und zu Studienzwecken zur Verfügung gestellt. Weitere Projekte, an denen das Zentrum maßgeblich beteiligt war: - eGallery – Parlament: Ziel des eGallery Projektes ist es, die Sammlungsbestände des Österreichischen Parlaments bürgernah via WWW darzustellen.
- Digitale Aufarbeitung Plakatsammlung: Im Rahmen eines Pilotprojektes mit der Plakatsammlung der Höheren Grafischen Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt Wien digitalisierte das Zentrum für Bildwissenschaften 80 Plakate aus dem Anfang des 20. Jhs. in hoher Qualität.
4.2) Institut für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit der Akademie der Wissenschaften (IMAREAL)
Das Institut für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit ist eine seit 1969 bestehende Forschungseinrichtung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Ziel des Instituts ist die Erforschung der Vielfalt menschlicher Lebensgestaltung, ausgehend von der materiellen Kultur. Einen Schwerpunkt bildet dabei die fotografische Dokumentation von Bildquellen und anderen Objekten.
Das Institut ist an folgenden Digitalisierungsprojekten beteiligt:
4.3 Niederösterreichisches Volksliedarchiv
Das Niederösterreichische Volksliedwerk ist bei der Volkskultur Niederösterreich beheimatet. Das Volksliedwerk dient der Sammlung, Forschung, Dokumentation und Pflege von Volkslied, Volksmusik, Volkstanz, Märchen, Sage, Volkspoesie und Volksschauspiel.
In Kooperation mit dem Österreichischen Volksliedwerk hat das Niederösterreichische Volksliedarchiv seine Bestände auf Datenbank erfasst. Diese sind auf der Online-Plattform DABIS für die Öffentlichkeit zugänglich.
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