Konservierung, wissenschaftliche Neubearbeitung und digitale Erfassung des Bestandes an gotischen Baurissen des Kupferstichkabinetts der Akademie der bildenden Künste Wien [www.akbild.ac.at/kuka] Das Projekt erfasste den gesamten Bestand an gotischen Baurissen des Kupferstichkabinetts der Akademie der Bildenden Künste Wien, wobei in gegebenen Fällen sowohl die Zeichnungen der Vorder- als auch Rückseiten der Blätter bzw. Pergamente aufgenommen wurden. Mit 425 Zeichnungen stellt der Wiener Bestand an gotischen Baurissen den weltgrößten Teil dieses Genres dar, das weniger als 500 Zeichnungen umfasst.
Bisher standen der architekturgeschichtlichen Forschung — abgesehen von den Originalzeichnungen und einigen um 1860 hergestellte Nachzeichnungen in Originalgröße — nur die in sehr kleinem Format als Schwarz-Weiß-Abbildungen mit starker Aufrasterung publizierten Abbildungen im Katalog von 1969 zur Verfügung, von denen auf Anfrage gleichfalls im Vergleich zum Original relativ kleine Fotoabzüge hergestellt werden konnten. Diese zeigten kaum Details, vor allem aber nicht die zahlreichen Vorzeichnungen und Korrekturen.
Im Gegensatz dazu haben jedoch die neu erstellten Digitalaufnahmen eine Abbildungsqualität, die alle wünschenswerten Einzelheiten sichtbar macht. Im Unterschied zu allen bisherigen Hilfsmitteln, oder vielmehr Behelfen, stellen die Digitalaufnahmen damit ein entscheidendes Forschungsmittel als solches dar, das den Umgang mit den Originalzeichnungen an sich zwar nicht zu ersetzen vermag, aber in vielen Fällen eine Untersuchung der Zeichnung unabhängig vom Original und damit unter Schonung der wertvollen und unersetzbaren historischen Objekte erlaubt. Zugleich ergibt sich dadurch die Möglichkeit für jene Sammlungen (Stadtarchive, kleinere Museen oder kirchliche Institution), die an Zeichnungen von Bauwerken interessiert sind, die in ihren jeweiligen Zuständigkeitsbereich fallen, selbst aber nicht über die klima- oder sicherheitstechnischen Voraussetzungen verfügen, um temporär einige der Baurisse zeigen zu können, aufgrund der Aufnahmen Faksimiles herstellen zu lassen, die denselben Dokumentationswert wie das Original selbst besitzen und damit einen direkten lokalen Zugang zu den Zeichnungen ermöglichen. Dass zugleich bei wissenschaftlichen Anfragen Abbildungen der Risse in jeder beliebigen Qualität und Auflösung auf elektronischem Wege verschickt werden können, stellt zudem eine erhebliche Vereinfachung der Übermittlung von Zeichnungen dar.
Die Digitalisierung verfolgte 3 Ziele:
- Sicherung des Bestandes
- Verfügbarkeit des Bestandes zu Studienzwecken
- Erreichung der bestmöglichsten Qualität für Publikationen.
Dieses Projekt wurde “für die höchst professionelle wissenschaftliche Erforschung, Konservierung und Digitalisierung der einzigartigen Sammlung gotischer Bauzeichnungen, die auf diese Weise weitestgehend dem Studium zugänglich gemacht wurden“ mit dem European Union Prize for Cultural Heritage/Europa Nostra Award 2003 (http://www.europanostra.at) ausgezeichnet. Am 21.05.2005 wurde diese Sammlung in das Memory of the World-Register der UNESCO aufgenommen.
Das Forschungsprojekt gliederte sich in 3 Abschnitte:
- Digitale Erfassung des Planmaterials und Speicherung der Daten auf DVD-Datenträger und Festplatten sowie Übertragung der komprimierten Daten in die Datenbank (Artefakt) durch die Firma archive.it (http://www.archive.it), finanziert durch den Jubiläumsfonds der Österreichischen Nationalbank,
- Restaurierung und Neulagerung des Gesamtbestandes, wobei eine eigens dafür erarbeitete Technik angewandt wurde. Die Zeichnungen wurden dabei von späteren, teilweise aus stark säurehaltigem Papier bestehenden Hinterklebungen befreit und in einer Weise in neue Passepartouts eingehängt, dass auch die bislang weniger beachteten Rückseiten jederzeit von Forschern studiert werden können. Die Restaurierung wurde in der Restaurierwerkstätte des Kupferstichkabinetts durch Frau Mag. Verena Flamm aus dem laufenden Budget durchgeführt.
- Wissenschaftliche Bearbeitung durch Prof. Dr. Hans Böker der McGill Universität in Montreal, ermöglicht durch den Social Sciences and Humanities Research Council of Canada.
Im Zuge der Neubearbeitung des Zeichnungsbestandes wurde zunächst ein neuer, modernen wissenschaftlichen Ansprüchen entsprechender Katalog erstellt, der die wichtigsten technischen Daten wie die genauen Maße, eine genaue Materialbeschreibung, sowie alle Angaben zu den vorkommenden Wasserzeichen enthält.
Im Anschluss daran folgte eine genaue Untersuchung der Zeichnungen einschließlich der Blindrillen und den in allen bisherigen Publikationen nicht sichtbaren oder nicht beachteten Vorzeichnungen. Dabei wurde zwischen der deskriptiven Erfassung der Zeichnung, der möglichst vollständigen Darstellung der Forschungsliteratur und ihrer Interpretation zu unterscheiden gesucht.
Zugriff auf die digitalisierten Objekte des Kupferstichkabinetts ist auf Anfrage möglich, da sich das Kupferstichkabinett als Forschungszentrum der gotischen Baurissforschung versteht und dadurch über den aktuellen Forschungsstand informiert sein will. Digitalisierungsprozess
Digitale Erfassung des Planmaterials durch die Firma archive.it. Speicherung der Daten auf DVD Datenträger und Festplatten und Übertragung der komprimierten Daten in die Datenbank (Artefakt).
Dabei wurde für kleinformatige Blätter der Cezanne Scanner der Firma Screen und für großformatige Blätter der CRUSE ST450 Scanner der Firma Cruse eingesetzt, welcher es ermöglicht Vorlagen von einer Maximalgröße von 202 cm mal 240 cm in 20 Minuten (Komplettarbeitszeit) in einer Datenmenge von ca. 2 Gigabyte digital zu reproduzieren. Mit seinem patentierten Synchronlicht und seiner absoluten Farbtreue und Genauigkeit werden dabei höchste Scannqualitäten erreicht.
Für die äußerst heiklen Pergamente waren das kontaktlose, berührungsfreie Scannen und die absolut schonende Beleuchtung durch Speziallampen, die zudem das Objekt bei einer Scannzeit von mehreren Minuten nur wenige Sekunden ausleuchten, von größter Bedeutung. Projektstatus: Abgeschlossen (Ko-)Finanzierung: Jubiläumsfonds der Österreichischen Nationalbank,
Social Sciences and Humanities Research Council of Canada,
Akademie der bildenden Künste Wien
KontaktDir.Dr. Monika Knofler T.: ++43-1-581-3040 F.: ++43-1-581-3040-31 E-Mail: m.knofler@akbild.ac.at
ProjektkoordinatorKupferstichkabinett der Akademie der Bildenden Künste Wien
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